Die Manufaktur: Riders First

Bereits seit 2005 macht Tout Terrain herausragende Fahrräder. Aus einer fixen Idee während einer Fahrradexpedition in Nepal wurde schnell eine der ideenreichsten Fahrradmarken in Deutschland. Heute entstehen in der Manufaktur in Gundelfingen individuelle Traumräder, Anhänger und mehr für die Radwege dieser Welt. Und für Strecken, die niemand vorher mit einem Bike befahren wollte. Wir öffnen die Pforten und gewähren Einblick. Hereinspaziert!

EINE GUTE IDEE NACH DER ANDEREN

 

Tout Terrain fertigt Fahrräder für die weitesten Touren auf dieser Erde. Wenn es sein soll, auch um die Erde. Die Entwicklung und die Herstellung der Tout Terrain Räder befindet sich in einem unauffälligen, langgestreckten Industriebau der 1970er-Jahre in Gundelfingen, nördlich von Freiburg im Schwarzwald. Doch nicht täuschen lassen. Muffig ist dort gar nichts. Die Schwarzwaldregion ist Hauptachse heimischer Fahrradinnovation, hier wurde und wird erfunden und entwickelt. Einiges davon bei Tout Terrain und in diesem Gebäude. Der integrierte Gepäckträger gehört zu jenen Neuerungen oder der erstmals serienmäßig verbaute Gates Carbon Drive Riemenantrieb. Dazu entwickelten die Freiburger einen teilbaren und besonders präzise gearbeiteten Rahmen. Auch das Pinion Getriebe mit seinen beachtlichen 636 Prozent Übersetzungsbandbreite fand hier erstmals den Weg in ein Serienrad. Aber auch Gewohntes muss hier einfach sehr, sehr gut sein. Das geht bis zur sorgfältigen Auswahl der Speichen für beste Laufräder.

 

toutterrain_web_stefangroenveld_20181109_221

 

FÜR LANGE REISEN NUR DAS BESTE

 

„Für uns stehen die Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer und ihre Wünsche an erster Stelle“, verdeutlicht Oliver Römer den Ansatz von Tout Terrain. Er bildet zusammen mit Stephanie Römer die Geschäftsführung. „Darum sprechen wir gern mit langjährigen Kunden und hören aufmerksam zu, wenn sie ihre Wünsche rund um das perfekte Fahrrad äußern.“ Stephanie Römer zeigt einen der Prototypen: „Auch unsere Versuchsfahrräder sind fahrbereit und aufgrund der Tests bekommen wir direkte Rückmeldungen, was noch zu verbessern wäre.“ Außerdem gehe es neben dem hohen Anspruch um geringen Wartungsaufwand, schließlich sollen die geplanten Fahrradtouren nicht von Werkstatt zu Werkstatt führen. „Unsere Reihenfolge lautet, dass der Prototyp erst für uns perfekt sein muss, dann geht es ins Labor, ob auch die Prüfnormen erfüllt werden.“ „Ein Beispiel für unseren besonderen Fokus: Der Stahl stammt aus der italienischen Kult-Schmiede Dedacciai, für Reiseräder ist er spürbar der beste“, erläutert Oliver den Grundstoff für die Rahmen, „Alle Rahmen, die hier hängen und auf die Lackierung warten, schweißte der selbe spezialisierte Familienbetrieb in Taiwan.“ Auch intern gibt es eine Ampel: „Kein Fahrrad verlässt unser Haus ohne gründlichen Check, lieber geht es einmal mehr in die Nachjustier-Schleife.“

toutterrain_web_stefangroenveld_20181109_184

 

HANDCRAFTED IN GERMANY

Dass viele der bei Tout Terrain Beschäftigten fahrradverrückt sind, ist naheliegend. Doch die Hingabe, mit der die Mitarbeiter geradezu liebevoll die Steuersätze einbauen, die Schaltzüge justieren oder die Laufräder einspeichen, sie überrascht dennoch. „Jeder einzelne ist stark in seinem Job, doch erst als Team sind wir perfekt“, erklärt Stephanie die Arbeitsatmosphäre.

„Nur auf diese Weise kann etwas Besonderes entstehen: ein langlebiger, hochwertiger, sicherer und vor allem durchdachter Begleiter auf zwei Rädern.“ Die meisten aus dem Team fahren privat Tout Terrain Bikes und kommen täglich mit dem Fahrrad. Radfahren ist grünster Verkehr an sich, aber hier geht der Umweltgedanke einige Umdrehungen weiter. Gerade wird die Obstkiste für die Mitarbeiter-Snacks vom regionalen Landwirt geliefert, der gesamte Betrieb kommt fast ohne Plastikflaschen aus und reduziert Plastikverpackung deutlich. „Auch unsere Versandverpackungen sind wiederverwendbar“, ergänzt Oliver. Und weil die Tout Terrain Fahrräder Anschaffungen fürs Leben sind, werden die Rahmen besonders geschützt. In der eigenen Pulverbeschichtungsanlage trägt ein Mitarbeiter umweltfreundliche drei Schichten auf – die letzte gerne auch mit persönlicher Note.

toutterrain_web_stefangroenveld_20181108_035

 

toutterrain_web_stefangroenveld_20181108_043

 

WELTVERBESSERUNG IM SATTEL

 

Stahl statt Aluminium, die Wahl des Rahmenmaterials hat ebenfalls ökologische Gründe. Nicht nur in der Herstellung werden auf diese Weise Rohstoffe gespart, die Chance, dass es auch hinter dem Ural fachgerecht geschweißt werden kann, ist viel größer. Rahmen und Tour sind dann gerettet. Es ist zwar kaum vorstellbar, dass ein Tout Terrain Fahrrad einmal zum alten Eisen gehören sollte. Falls doch: Stahl ist sehr gut recyclebar. Dass man auf solchen Fahrrädern gut unterwegs ist, zeigte im Jahre 2009 Julian Sayarer. In 165 Tagen umrundete er die Welt auf dem Tout Terrain Typ Silkroad. Die 29.049 Kilometer brachten ihn ins Guinness-Buch. Paul und Hansen Hoeppner radelten von Berlin 13.000 Kilometer nach Shanghai, ebenfalls auf dem Silkroad. „Die meisten Verbesserungen sind aber auch auf ganz kleinen Touren hilfreich“, erläutert Oliver und drückt dazu die Lenkerarretierung des Ergo-Stop-Plus-Lenkanschlages, „Damit dreht der Lenker auch mit schweren Fronttaschen nicht weg, und verhindert Beschädigungen am Rahmen, Lichtkabel und Zügen.“

GIBT GUMMI: RIEMENANTRIEB

Der Antrieb für die Konstruktion aller Tout Terrain Reiseräder ist Radreiselust. Doch mittlerweile gibt es nicht nur Modelle für die Tour um die Welt, sondern auch solche für den Trip um den Block. „Der Riemenantrieb und das Pinion Getriebe passen da ideal“, erläutert Stephanie das Konzept und nimmt im Showroom im ersten Stock einen Stadtflitzer The City vom Ständer. „In erster Linie ist diese saubere Kraftübertragung natürlich perfekt auf unseren S-Bahn-Ersatz abgestimmt, also fast wartungsarm und sauber.“ Aber die Definition City-Rad ist keineswegs mit „betulich“ gleichzusetzen. Entsprechend mit Gepäckträger und Flaschenhalter bestückt, geht es auch mit dem The City auf ausgedehnte Wochenend-Fahrradtour.

toutterrain_web_stefangroenveld_20181109_120

 

STROM AUS DEM FAHRRAD

 

Für ein Unternehmen, das Alltags-Fahrräder anbietet, liegt es nahe, auch Pedelecs ins Programm aufzunehmen. „Unsere Reiseradler wollen das zwar mehrheitlich ohne Strom. Sie erzeugen sogar noch welchen und laden auf ihren Etappen über den Nabendynamo ihr GPS-Gerät oder ihr Smartphone auf“, erläutert Oliver. Dennoch gibt es mittlerweile sechs E- Modelle im Programm. Beim Elektroantrieb entschied sich Tout Terrain für ein System aus Hecknabenmotor, Piniongetriebe und Riemenantrieb. Mit diesem gibt es auch ein schnelles Modell für den Schweizer Markt.

EINSPURIGER KINDERANHÄNGER

Auch die Wurzeln der Fahrradmanufaktur zeigen, wie gerade für Nischen optimale Produkte entwickelt werden. Ursprünglich fertigte Tout Terrain Kinderanhänger, die auf einem Rad exakt den Elternbikes folgen. Eines der Modelle mit stabilem Überrollbügel ist gerade hinter Stephanies Fahrrad im Einsatz. Diesen Anhängertyp gibt es bis heute im Programm. Erweitert wurde dieser Geschäftszweig für die Kleinen durch ein Anhängerfahrrad zum Mittreten. Die Entwickler im Obergeschoss arbeiten bereits an den Verbesserungen für die nachfolgenden Generationen der mittlerweile 24 Fahrradmodelle. Zutritt verboten. Dass deren Ergebnis zu den Rädern passt, steht jedoch außer Frage. Die Entwickler wollen alleine schon für ihre eigenen Touren alles immer noch ein bisschen perfekter machen. Der Plan geht auf.

AUSGEZEICHNETE FAHRRÄDER

Tout Terrain-Fahrräder haben ihren Preis. Das verwundert nicht bei der Auswahl der Komponenten und bei der Sorgfalt der Montage. Doch sie sind auch preisgekrönt: 2006 erhielt das Modell Panamericana den Eurobike Award, 2008 war es für den Deutschen Designpreis nominiert. Den Preis des Deutschen Design Award erhielt 2014 das Silkroad Xplore, 2017 das X.Over.Scrambler. Weitere Auszeichnungen erzielten das Metropolitan und das Silkroad Xplore mit den Eurobike Awards 2009 und 2012. Aber nicht nur der Fachwelt gefallen die Tout Terrain Räder. Die Leserinnen und Leser des Magazins Cycle entschieden sich im Februar 2017 für das Modell Chiyoda als bestes Urban Bike. Im Trekkingbike Magazin wählten sie Tout Terrain auf Platz zwei der Komplettradmarken.

Vorschau: toutterrain_web_stefangroenveld_20181109_192
Vorschau: toutterrain_web_stefangroenveld_20181109_215
Vorschau: toutterrain_web_stefangroenveld_20181108_056
Vorschau: toutterrain_web_stefangroenveld_20181109_201
Vorschau: toutterrain_web_stefangroenveld_20181109_188
Vorschau: toutterrain_web_stefangroenveld_20181109_129
Vorschau: toutterrain_web_stefangroenveld_20181108_060
Erlebt & geschrieben von Stephanie Römer #Inside